Schutz und Grundversorgung in Bagdad für intern Vertriebene aus dem Irak

Projekt abgeschlossen
Bedürftige Menschen im Iraq stehen an einer Verteilstation von Lebensmitteln und anderen Gütern vor einem Supermarkt.
Die DEZA unterstützt die Arbeit des Norwegian Refugee Council und von Save the Children Schweiz im Irak – die beiden Nichtregierungsorganisationen stellen unter anderem Nahrung für intern Vertriebene bereit. Im Bild ein Supermarkt, wo Begünstigte von Save the Children Lebensmittel und andere Güter erhalten. © Hefinn Halldorsson/Save the Children Hedinn Halldorsson / Save the Children

Im Dezember 2013 hat im Irak ein weiterer bewaffneter Konflikt begonnen, der sich rasch von der Provinz Anbar auf Zentral- und Nordirak ausgebreitet hat. Grosse Teile der Zivilbevölkerung wurden gezwungen, ihre Wohnstätten zu verlassen. Viele der intern Vertriebenen flüchteten nach Bagdad, wo sie nur ungenügend geschützt sind und keine ausreichende Grundversorgung haben. Die DEZA unterstützt die internationale Nichtregierungsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC), die sich in Bagdad für intern Vertriebene einsetzt.

Land/Region Thema Periode Budget
Irak
Hauptstadt Bagdad
Humanitäre Hilfe & DRR
Menschenrechte
Konflikt & Fragilität
Materielle Nothilfe
Menschenrechte (inkl. Frauenrechte)
Konfliktprävention
01.07.2014 - 30.09.2015
CHF 1'425'000

Die DEZA unterstützt mit 1,4 Millionen CHF die norwegische Nichtregierungsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC). Diese setzt sich für den Schutz und die Grundversorgung der vertriebenen Zivilbevölkerung im Irak ein. Die DEZA-Unterstützung ist für die Laufzeit vom 1.7.2014–30.9.2015 angelegt.

Lage in Bagdad für intern Vertriebene prekär

Die Fluchtwelle innerhalb des Irak begann mit dem Ausbruch eines bewaffneten Konflikts zwischen der schiitischen Zentralregierung und Teilen der sunnitischen Bevölkerung im Dezember 2013. Die sunnitische Bevölkerung fühlt sich von der irakischen Regierung vernachlässigt. Die UNO spricht von rund 1,4 Millionen Menschen auf der Flucht. Dazu kommen über 230´000 syrische Flüchtlinge, welche im kurdischen Teil des Iraks Schutz gesucht haben.

Viele der intern Vertriebenen (IDP) flüchteten in die irakische Hauptstadt Bagdad. Dort ist die Situation für die Vertriebenen besonders prekär: sie werden oft als Anhänger von bewaffneten Gruppierungen wahrgenommen, welche gegen die Zentralregierung kämpfen.

Gemeinschaftszentren, Akteure stärken, Medienpräsenz

Der NRC setzt sich auf verschiedenen Ebenen für die intern Vertriebenen im Irak ein. Zum Engagement der internationalen Nichtregierungsorganisation (INGO) gehören:

  • Gezielte Aktivitäten in Gemeinschaftszentren durchführen
  • Den Handlungsspielraum der beteiligten Akteure vergrössern
  • In den Medien auf die Notlage der Flüchtlinge aufmerksam machen

Gezielte Aktivitäten

Der NRC hat in den beiden sicheren Bezirken Bagdads al-Rasheed und al Mansour je ein Gemeinschaftszentrum errichtet. In diesen erhalten die Vertriebenen lebensnotwendige Güter. Sie werden beraten und können an Aktivitäten teilnehmen. Diese zielen darauf ab, sie in der Bewältigung der traumatischen Erlebnisse zu unterstützen. Für Jugendliche gibt es Bildungsangebote in den Bereichen Lese- und Schreibfähigkeit, Computer und Englisch.

In den Medien auf die Lage der Flüchtlinge aufmerksam machen

Der NRC arbeitet daran, der Lage der intern Vertriebene eine grössere Sichtbarkeit in den Medien zu verleihen. Die NGO will über 100 lokale Medienvertreter für das Thema sensibilisieren, u.a. mit Workshops in den Gemeinschaftszentren, an denen die Medienschaffenden den intern Vertriebenen begegnen können.

Erschwerte Bedingungen für Hilfsorganisationen

Im Januar 2014 nutzte die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIL), mittlerweile Islamischer Staat (IS), die Unruhen für ihre Interessen und eroberte die Städte Falludscha und Ramadi. IS kontrolliert auch Gebiete im Osten Syriens.

Im Juni 2014 übernahm die Gruppe mit anderen bewaffneten Gruppierungen die Kontrolle über die Zwei-Millionenstadt Mosul. Von dort breiteten sie ihre Kontrolle auf weitere Gebiete in Norden aus. Dort gingen sie vor allem gegen ethnische und religiöse Minderheiten mit äusserster Brutalität vor. Viele der Flüchtenden werden mehrfach vertrieben und sind für die Hilfsorganisationen schwer erreichbar. Tausende Zivilisten wurden getötet oder verletzt.

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk (The Office of the United Nations High Commissioner for Refugees, UNHCR) bezeichnete die Flüchtlingswelle als die grösste seit dem Ende des Bürgerkriegs 2008.

Schutz, Nahrung, Kleidung und Bildung für vertriebene Kinder

Das Projekt des NRC ergänzt das Projekt von Save the Children Schweiz. Letztere arbeiten mit ihren Partnern im Nordosten Iraks, namentlich in den Provinzen Kirkuk und Sulaymaniyah, für über 40’000 intern Vertriebene, davon rund die Hälfte Kinder. Geplant ist auch Hilfe in Salah al-Din, sofern es die Sicherheitslage erlaubt. Die DEZA ist Partnerin von Save the Children Schweiz. Sie unterstützt die Arbeit der Organisation im Irak vom 1.7.2014–30.9.2015 mit rund 1,3 Millionen CHF.

Zu den Zielen von Save the Children Schweiz im Irak gehören:

  • Nahrung und andere lebensnotwendige Güter für vertriebene Kinder und ihre Familien bereitstellen
  • Psychosoziale Dienstleistungen für Kinder sowie Jugendliche anbieten
  • Bildungsangebote zur Verfügung stellen