Gezielte psychologische Hilfe für die Menschen im Gazastreifen

Projekt abgeschlossen
Eine Therapeutin führt in einem Besprechungszimmer ein Gespräch mit einer Patientin.
Viele Menschen im Gazastreifen benötigen psychologische Unterstützung. Ein von der DEZA unterstütztes Kompetenzzentrum leistet Hilfe. © GCMHP

Kaum ein Volk im Nahen Osten leidet so oft unter psychischen Störungen wie die Palästinenser. Im Gazastreifen beeinträchtigen die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Abriegelung die Gesundheit der Menschen. Ihnen bietet das von der DEZA unterstützte Gaza Community Mental Health Programme Beratungen, Kurse und Therapien an. Allein im Jahr 2017 wurden über 20'000 Personen erreicht.

  

Land/Region Thema Periode Budget
Palästinensische Behörde
Konflikt & Fragilität
Gesundheit
Menschenrechte
Psychosoziale Beratung (bis 2016)
Medizinische Dienstleistungen
Konfliktprävention
Menschenrechte (inkl. Frauenrechte)
Stärkung der Gesundheitssysteme
01.02.2015 - 31.12.2018
CHF 1'964'000

Alle Grenzen des Gazastreifens werden von äusseren Mächten kontrolliert. Nur wenige seiner Bewohnerinnen und Bewohner sind in der Lage, das Landstück mit 365 Quadratkilometern Fläche und 1,9 Millionen Einwohnern zu verlassen. Armut, die weltweit höchste Arbeitslosenquote, tägliche Strom- und Wasserunterbrüche, politische und soziale Konflikte: Die Liste der Umstände, die den Alltag der Menschen erschweren, ist lang. Kein Wunder, dass immer mehr Kinder und Erwachsene unter psychischen Problemen leiden. Laut einer Erhebung des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF aus dem Jahr 2017 benötigen rund 296‘000 Kinder und 223‘000 Bezugspersonen aus benachteiligten Bevölkerungsschichten regelmässige Unterstützung. Das Spektrum der Symptome ist breit: Alpträume, Bettnässen, Aggressivität, Trauer, Apathie oder Angststörungen gehören ebenso dazu wie Stress, Ohnmachtsgefühle, Hoffnungslosigkeit, Depressionen oder Suizidgedanken.

Gezielte Hilfe leistet das 1990 gegründete Gaza Community Mental Health Programme (GCMHP) mit 70 Mitarbeitenden, das in Gaza-Stadt, in Deir al-Balah und in Khan Yunis je ein Gemeindezentrum betreibt. Die Schweiz unterstützt das Kompetenzzentrum seit 1997 und deckt zusammen mit Schweden und Norwegen rund drei Viertel des Budgets ab. Seit 2005 beläuft sich der Schweizer Beitrag auf eine halbe Million Franken pro Jahr. Ein Engagement, das zahlreichen Bedürftigen zugutekommt: Allein im Jahr 2017 haben über 20'000 Menschen von den vielfältigen Angeboten profitiert.

Viele Frauen wenden sich ans Sorgentelefon

Den Kern bilden die Beratungs- und Therapieangebote der drei Gemeindezentren. Dazu gehören Einzel- und Gruppengespräche mit Kindern und Erwachsenen, Paartherapien sowie Beratungen für Eltern, die Probleme im Umgang mit ihren Kindern haben. Dazu kommen Workshops zu psychologischen Themen für Kindergarten- und Schulklassen. Ein kostenloser telefonischer Beratungsdienst wurde 2017 von mehr als 1300 Personen genutzt. Rund zwei Drittel der Anrufe stammen von Mädchen und Frauen. Oft geht es in den Gesprächen um Erziehungsfragen, aber auch Beziehungsprobleme und häusliche Gewalt sind häufige Themen.

Die Betroffenen schätzen die Angebote der Gemeindezentren. So haben sich 2017 in einer Umfrage über 94% von ihnen zufrieden erklärt. «Das Programm ermöglicht es den Menschen, ihre Sorgen in einem geschützten Rahmen zur Sprache zu bringen und Hilfe zu erhalten», erklärt DEZA-Mitarbeiterin Jacqueline Birrer. Das sei nicht nur für die betroffene Person wichtig, sondern auch für ihr Umfeld. «Wenn beispielsweise ein Vater wegen Depressionen nicht mehr arbeiten kann, gerät seine ganze Familie in Schwierigkeiten», so Birrer. Ebenso wichtig sei die Behandlung für die vielen Kinder, die wegen der kriegerischen Ereignisse unter posttraumatischen Belastungsstörungen litten. «Dank der Behandlung können sie wieder zur Schule gehen und ihre Ausbildung abschliessen. Hier geht es um die Zukunft einer ganzen Generation.»

Workshops, Kurse, Forschung

Nebst dem Betrieb der drei Gemeindezentren umfasst das Angebot des GCMHP Workshops und Kurse für Studierende, Lehrkräfte und andere Berufsleute, die regelmässig mit psychischen Problemen konfrontiert sind. Die Palette der Themen reicht von Autismus über posttraumatische Belastungsstörungen, psychologische Erste Hilfe, verschiedene psychotherapeutische Ansätze bis zu Stress-Management und Trauma-Bewältigung. Insgesamt haben 2017 über 1200 Personen an solchen Kursen teilgenommen. Den dritten Pfeiler des Programms bildet die Organisation von Konferenzen und Forschungsaktivitäten, die oft in Zusammenarbeit mit renommierten Universitäten aus der ganzen Welt stattfinden.

Die DEZA versteht ihre Unterstützung für das Kompetenzzentrum als Teil eines langfristigen Engagements für die verletzlichsten Bevölkerungsschichten im Besetzten Palästinensischen Gebiet. «Nur wenn sich die Lebensbedingungen der Lokalbevölkerung im Gazastreifen verbessern, wird der Bedarf an psychischer Unterstützung sinken», erklärt Marie Gilbrin Duruz, Leiterin des DEZA-Kooperationsbüros in Ostjerusalem.