Katastrophenrisikominderung und ganzheitliches Management von Wassereinzugsgebieten in Tadschikistan

Projekt abgeschlossen
Männer stehen an einer neugebauten Mündung eines trockenen Abflusskanals.
Verstärkte Mündung eines Abflusskanals, an der Bauern aus der Umgebung mitgearbeitet haben. © IWSM Projekt. Caritas. Tadschikistan. © IWSM Project. Caritas. Tajikistan.

Im Distrikt Muminabad in Tadschikistan vermindert die Schweiz das Risiko von Umweltkatastrophen und fördert ein ganzheitliches  Management der Wasser-Einzugsgebiete Obishur und Chukurak. Eine nachhaltige Vieh- und Landwirtschaft, betrieben durch die lokale Bevölkerung und gestützt durch lokale Behörden, schafft dafür notwendige Voraussetzungen.

Land/Region Thema Periode Budget
Tadschikistan
Klimawandel & Umwelt
Reduktion von Katastrophenrisiken DRR
Umweltpolitik
01.07.2014 - 08.12.2016
CHF 1'199'525

Tadschikistan wird aufgrund der gebirgigen Beschaffenheit und des rauen Klimas immer wieder von Umweltereignissen wie Schlamm- und Schneelawinen, Erdrutsche, Springfluten, Felsstürze und Trockenperioden heimgesucht. Sie zerstören die Infrastruktur und  bedrohen die Lebensgrundlage sowie die Sicherheit der zumeist armen Bevölkerung. Die Wasser-Einzugsgebiete Obishur und Chukurak im Distrikt Muminabad sind Gegenstand des durch die DEZA finanzierten Projekts, das von Caritas Schweiz umgesetzt wird.

Übernutzung der Böden fördert Armut und Katastrophenrisiko

Armut, Bevölkerungsdruck und nicht nachhaltig betriebene Land- und Forstwirtschaft erhöhen die Häufigkeit gefährlicher Naturereignisse. Agrarböden sind aufgrund jahrelanger, auf Maximalertrag ausgelegte Bewirtschaftung ausgelaugt, Weideland durch Übergrasung kaum mehr ergiebig.

Familien in Tadschikistan befinden sich oft in einem Teufelskreis. Sie müssen mit wenig Land maximale Erträge erwirtschaften, um zu überleben. Andauernde Stromknappheit führt zudem dazu, dass Wälder abgeholzt und Kuhdung getrocknet statt als Düngemittel verwendet wird, um alternative Energieträger zu gewinnen. Übernutzte Böden können weniger Wasser aufnehmen, wodurch Erosion, Erdrutsche und Schlammlawinen und damit der Verlust von fruchtbarem Land begünstigt werden.

Nachhaltige Landbewirtschaftung als Ausweg

Das Ziel ist, das Risiko von Naturkatastrophen längerfristig zu mindern und ein ganzheitliches Management des Wasser-Einzugsgebiets zu realisieren. Nebst vorbeugenden Massnahmen wie Schutzdämmen oder verstärkte Abflusskanälen soll dieses Ziel durch nachhaltige Landbewirtschaftung erreicht werden. Beispiele sind das Rotationsprinzip bei der Bewirtschaftung von Feldern oder Weiden, die Wiederaufforstung von Wäldern, der Einsatz von energieeffizienten Koch-/Heizöfen und Wasserboilern oder die Schaffung von Gremien zur koordinierten Nutztierhaltung zum Schutz des Weidelandes.

Folgende Zielsetzungen werden in der aktuellen, zweiten Phase des Projekts angestrebt:

  • Dorfgemeinschaften und örtliche Behörden, mit dem Wissen um nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen ausgestattet, partizipieren aktiv in der Verwaltung des Gebiets

  • Bedeutende Teile der mittleren und oberen Zonen der beiden Einzugsgebiete stehen unter verbessertem Management, das heisst Praktiken der nachhaltigen Landbewirtschaftung und der Energieeffizienz werden dort erfolgreich angewandt.

  • Die natürlichen Ressourcen (Weideland, Agrarland und Wälder) in den beiden Wassereinzugsgebieten werden nicht nur erhalten sondern sukzessive verbessert.

Zielgruppen des Projekts

2‘040 Haushalte, 15`453 Personen in 19 Dörfern, sind Begünstigte des Projekts. Arme Familien, durch Frauen geführte Haushalte und Witwen werden im Besonderen berücksichtigt. Die gesamte Bevölkerung Muminabads, rund 81`000 Personen, profitieren von der Langzeitwirkung des Projekts, indem sie einem geringeren Überschwemmungs-Risiko ausgesetzt sind, weniger Ausgaben für Feuerholz haben und über ein erhöhtes Einkommen durch Vieh- und Landwirtschaft verfügen.

Partizipation der lokalen Bevölkerung und der Behörden als Schlüssel zum Erfolg

In der ersten Phase des Projekts wurde die Strategie formuliert und in sogenannte «Watershed Action Plans» WAP übersetzt. Entscheidend für den Erfolg des Projekts ist die Partizipation der lokalen Bevölkerung und der Behörden. In der zweiten Phase geht es deshalb darum, lokale Akteure zu befähigen aktiv im Management der Wasser-Einzugsgebiete zu partizipieren. Konkret werden folgende Massnahmen durchgeführt:

  • In der ersten Phase erschaffene zivilgesellschaftliche Gremien, welche zu mindestens 30% aus Frauen bestehen, verwalten die Einzugsgebiete
  • Die existierenden «Watershed Action Plans» WAP werden revidiert und aktualisiert
  • 70% der mittleren und oberen Gebietszonen stehen unter verbessertem Management
  • 19 Klein-Projekte realisieren Praktiken der nachhaltigen Landbewirtschaftung
  • Mindestens 2‘000 Hektaren Land werden zwecks Regeneration geschützt
  • Familien, welche eine Praktik der nachhaltigen Landbewirtschaftung umgesetzt haben verfügen über rund 10% mehr Einkommen
  • Dank dem Einsatz energieeffizienter Technologien wird rund 20% weniger Holz verbrannt