DEZA unterstützt Schaffung verbesserter Bedingungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen

Projekt abgeschlossen
Jugendliche zeichnen mit Kreide auf dem Spielplatzboden.
«Stop Nasilu!» - «Stopp der Willkür!» - Kinder und Jugendliche sprechen sich öffentlich für ein kinder- und jugendgerechtes Justizsystem aus. © DEZA

Die Regierung in Bosnien und Herzegowina (BiH) will das Jugendstrafrecht reformieren sowie die Haftbedingungen und die Nachbetreuung von straffällig gewordenen Jugendlichen verbessern. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der «United Nations Children’s Fond» (Unicef) und die Schwedische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA) setzen seit 2009 ein entsprechendes Projekt um.

Land/Region Thema Periode Budget
Bosnien und Herzegowina
Governance
Andere
Menschenrechte
Weiterentwicklung von Recht und Rechtsprechung
Nicht spezifizierter Sektor
Menschenrechte (inkl. Frauenrechte)
01.01.2014 - 31.03.2018
CHF 2'250'000

Rund 10% der Kinder in BiH leben in sozial schwachen Familien, ein Viertel davon sogar in absoluter Armut. Sozial benachteiligte und in Armut lebende Kinder und Jugendliche sind einem höheren Risiko ausgesetzt, selbst Täter oder Opfer einer Straftat zu werden.

Der Vorbeugung von Jugendstraffälligkeit wurde bisher zu wenig Rechnung getragen. Vorhandene Mittel für verbesserte Haftbedingungen sowie für die Nachbetreuung von entlassenen Jugendlichen und deren Reintegration in die Gesellschaft waren knapp. Seit fünf Jahren befindet sich das bosnische  Jugendstrafrecht in einem Reformprozess. Dieser soll den nötigen Rechtsrahmen für ein kinder- und jugendgerechtes Justizsystem schaffen. Die bosnische Regierung anerkennt den Aufbau einer nach internationalen Standards ausgerichteten Jugendjustiz inzwischen als Priorität, auch im Hinblick auf eine EU-Kandidatur.

Stärkung von Präventionsmassnahmen im Vordergrund

Das Projekt zielt in dieser Phase darauf ab, Kinder und Jugendliche im Justizsystem durch vorbeugende Massnahmen oder durch Unterstützung im Fall von Straffälligkeit besser zu schützen. Zudem soll die soziale Wiedereingliederung von straffällig gewordenen Jugendlichen verbessert werden.

Das langfristige Ziel des Projektes besteht darin, die Kinder- und Jugendkriminalität in BiH zu senken. Die Zielgruppe des Projekts umfasst primär die Gruppe der straffälligen Jugendlichen und potentiellen Täterinnen und Tätern. Auch den Opfern von Gewalt oder Verbrechen sowie Zeuginnen und Zeugen einer Straftat wird Schutz geboten.  

Fortsetzung fachgerechter Weiterbildungen

Weiterbildungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit sind zentrale Pfeiler des Projektes. So erhalten rund 1‘000 Fachkräfte wie Richter, Staatsanwälte, Sozialarbeiter und Polizei eine fachgerechte Weiterbildung. Zweck ist, ihre Grundeinstellung zu Prävention und Nachbetreuung von Jugendlichen  positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig wird die Öffentlichkeit vermehrt auf die Problematik hingewiesen und für die Reformen im Jugendstrafrecht sensibilisiert.

Auf bisherige Erfolge aufbauen und Schutz von Kindern und Jugendlichen fördern

In der ersten Phase von 2009 bis 2013 lag der Fokus auf besseren rechtlichen Rahmenbedingungen für die Jugendjustiz. Zum Beispiel wurden auf 16 Polizeistationen und bei Gerichten so genannte „Child Friendly Rooms“ eingerichtet, in denen Kinder und Jugendliche unter altersgerechten Bedingungen befragt werden können. Die Präventionsmassnahmen hatten die gesamte Jugend (ca. 800‘000) im Visier. 

Dank der zahlreichen Weiterbildungen haben Justizfachkräfte ein verbessertes Verständnis für alternative Präventions- und Nachbetreuungsmassnahmen entwickelt. Auch hat sich die öffentliche Meinung gegenüber jugendlichen Straffälligen verändert, wie die Umfrage der Nichtregierungsorganisation „KAP“ (Knowledge, Attitude and Practices) zeigt. 

Die Stärkung der Präventivmassnahmen hat sich bislang als erfolgreich erwiesen. Verbesserte Behandlungs- und Nachbetreuungsmethoden für Jugendliche und Kinder haben dazu geführt, dass Jugendkriminaltaten in einigen Gebieten abgenommen haben. Daten aus drei Gemeinden zeigen auf, dass die Jugendkriminalität in Tuzla und Capljina um jeweils 50% und in Zenica um 16% zurückgegangen ist (Stand: 2013).

 

Weiterführende Informationen