Mittels Musik und Bildung eine gemeinsame «Nil-Kultur» entwickeln


Musikerinnen und Musiker des Nil-Projekts in einem Boot.
Das Nil-Projekt will die Bevölkerung über die Musik zu einem Beitrag zur nachhaltigen Nutzung ihres gemeinsamen Ökosystems inspirieren. © Peter Stanley © Peter Stanley

Das Nil-Projekt (Nile Project) wurde ins Leben gerufen, um die Menschen der elf Länder, durch die der Nil fliesst, für das Nilbecken als gemeinsames Gut und Ökosystem zu sensibilisieren. Dieswill das von der DEZA unterstützte innovative Projekt über die Musik und Bildung erreichen. Das Projekt bringt Künstler und Künstlerinnen mit Studierenden und betroffenen Bürgerinnen und Bürgern zusammen. Seit 2013 haben zahlreiche viel beachtete Konzerte stattgefunden und Studierende entwickeln Initiativen zur Förderung einer besseren Nutzung der Wasserressourcen.

Land/Region Thema Periode Budget
Ägypten
Beschäftigung & Wirtschaftsentwicklung
Bildung
Klimawandel & Umwelt
Gender
Governance
Migration
Andere
Berufsbildung
Menschenrechte
Kultur & Freizeit
KMU Förderung
Bildungspolitik
Reduktion von Katastrophenrisiken DRR
Organisationen für die Gleichstellung der Frau
Demokratische Partizipation und Zivilbevölkerung
Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT)
Migration allgemein (entwicklungspolitische Aspekte und Partnerschaften)
Nicht spezifizierter Sektor
Gewerbeunterstützung & Wirtschaftszugang
Umweltpolitik
Politik des öffentlichen Sektors
Berufsbildung
Schutz der Biosphäre
Weiterentwicklung von Recht und Rechtsprechung
Menschenrechte (inkl. Frauenrechte)
01.05.2015 - 31.10.2019
CHF 750'000

Elf Länder im Einzugsgebiet des Nils, von Uganda bis Ägypten, sind für ihre nationalen Entwicklungspläne auf das Wasser des Flusses angewiesen. Obwohl rund 437 Millionen Menschen im Flussbecken leben, gibt es bis heute keine kollektive Vision für die Entwicklung des gemeinsamen Ökosystems. Dank offizieller staatlicher Initiativen sind zwar gewisse Fortschritte zu verzeichnen. Doch sind die Zivilgesellschaft und die NGOs in den betroffenen Ländern oft isoliert und blockiert, denn es fehlt ihnen an Plattformen für den Austausch.

Um den Bürgerinnen und Bürgern, lokalen Gemeinschaften, Künstlerinnen und Künstlern sowie Studierenden im Einzugsgebiet des Nils den Dialog und Austausch zu ermöglichen, haben der ägyptische Ethnomusikologe Mina Girgis und die ägyptisch-amerikanische Sängerin Meklit Hadero 2011 das Nil-Projekt gegründet. Das im Bereich Musik und Bildung angesiedelte Projekt wird seit 2013 von der DEZA unterstützt. Über die Musik und Bildungsaktivitäten erhalten die Menschen im Einzugsgebiet des Nils Informationen, Inspiration und Unterstützung im Hinblick auf eine Zusammenarbeit zur Förderung eines nachhaltigen Ökosystems und zum Verständnis der jeweils anderen Kulturen und Bedürfnisse.

Gastaufenthalte für Musikerinnen und Musiker

Das Projekt unterstützt regelmässige Gastaufenthalte für Musikerinnen und Musiker aus Ländern des Nilbeckens sowie Workshops und Konzerte. Ein Gastaufenthalt bietet Musikern die Möglichkeit, andere Musiker und Musiktraditionen kennenzulernen. Die Künstler komponieren Musikstücke und nehmen sie auf, was ein aufführbereites Set ergibt.

Dank der Unterstützung durch die DEZA fand im Januar 2013 ein erstes Nil-Treffen (Nile Gathering) in Assuan, in Oberägypten, statt. Resultat dieser Begegnung waren eine viel beachtete CD (Aswan), zwei anschliessende Gastaufenthalte in Jinja (Uganda) und in Minya (Ägypten), eine Afrika-Tournee durch fünf Länder unter Teilnahme von 14 Musikern aus sieben Ländern und 2015 eine Tournee durch die USA. Auf der US-Tournee standen Musikaufführungen und Bildungsaktivitäten in einem Dutzend renommierten Universitäten auf dem Programm. Ein viertes Nil-Treffen ist für 2016 geplant.

Parallel dazu ist in Kairo ein Nil-Chor im Entstehen begriffen. Der Chor setzt sich aus Ägypterinnen und Ägyptern zusammen sowie aus Bewohnern und Bewohnerinnen des Nilbeckens, mehrheitlich Flüchtlinge. Die Choraufführungen werden auf Video aufgenommen und auf der Website des Nil-Projekts weltweit zugänglich gemacht. Als Beitrag zum interkulturellen Dialog werden sämtliche Liedtexte in die Sprachen Amharisch, Arabisch, Englisch und Suaheli übersetzt.

Musikerinnen und Musiker auf der Bühne.
Das erste Konzert im Rahmen des Nil-Projekts im Januar 2013 in Kairo lockte ein zahlreiches Publikum an. © Matjaz Kacicnik

Stipendien für Studierende

Vorgesehen ist auch eine Umsetzung des Nil-Projekts in vier Partneruniversitäten in Äthiopien, Uganda, Kenia und Tansania sowie in einigen ägyptischen Universitäten. Eine Gruppe von 24 ausgewählten Studierenden erhalten Stipendien für eine Ausbildung in den Bereichen Musik, Kommunalentwicklung, Führung, Konflikttransformation und ökologische Nachhaltigkeit im Nilbecken.

Die Studierenden erwerben Kenntnisse über die Herausforderungen rund um Nahrung und andere Faktoren, die Auswirkungen auf das Ökosystem des Nils haben, wie Klimawandel, Energienutzung und lokale Landwirtschaftsmethoden. An ihren Universitäten entwickeln die Studierenden in Gruppen kreative Möglichkeiten zur Sensibilisierung der Menschen für die drängendsten Umweltprobleme im Nilbecken und zur Förderung einer verantwortungsvollen Nutzung der Wasserressourcen. Auch Fotografie und Gesang gehören zu den verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen. Die Gruppen sollen gleichzeitig mit einer internationalen Studierendenplattform verlinkt werden, die zur Vernetzung und zum Peer-Learning dient.

Nil-Projekt-Clubs

Das Projekt will letztlich auch Veränderung des Verhaltens und eine bessere Existenzgrundlage für lokale Gemeinschaften im Einzugsgebiet des Nils fördern. So haben in Ägypten die in das Projekt involvierten Studierenden in Kairo und in Assuan Nil-Projekt-Clubs gegründet, um Jugendlichen den nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen des Nils näher zu bringen. Nebst den Clubs in diesen zwei Städten Ägyptens werden in anderen Ländern Clubs gemeinsam mit ortsansässigen Personen und Bauern Entwicklungsprojekte an die Hand nehmen, die sich an deren Bedürfnissen orientieren.

Gruppenfoto mit Musikerinnen und Musikern des Nil-Projekts.
Das Projekt fördert regelmässige Gastaufenthalte von Musikerinnen und Musikern aus mehreren Ländern im Einzugsgebiet des Nils, wie hier im Februar 2014 in Tansania. © Peter Stanley