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Hilfe zu den Vetriebenen im Süd-Sudan

Andrea Cippa, Barbara Egger Maldonado, Arnold Egli und Dominique Reinecke haben 2013 und 2014 jeweils mehrere Monate für das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) beziehungsweise das Welternährungsprogramm (WFP) im Südsudan und in Äthiopien gearbeitet. Sie alle sind Mitglieder des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) und haben sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Vertriebenen und Flüchtlinge in der Region eingesetzt. Nach der Heimkehr erzählen sie von ihrer Arbeit.

Dominique Reinecke, Mitglied des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH)
Als Mitglied des SKH arbeitete Dominique Reinecke von April 2013 bis April 2014 für das UNHCR im Südsudan.

«Der Strom von Flüchtlingen, Vertriebenen und heimkehrenden Familien nimmt kein Ende … Die Situation verändert sich täglich – eine echte Herausforderung.» Dominique Reinecke war als Mitglied des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) ein Jahr lang (April 2013 bis April 2014) für das UNHCR im Südsudan tätig. Der lange Aufenthalt erlaubte ihr, die Krise in der Region sehr viel besser zu verstehen. Der Sudan, der seit 2011 in zwei Staaten geteilt ist, erlebt aufgrund der seit Jahrzehnten wiederkehrenden Konflikte immer wieder Fluchtwellen.

Dominique Reinecke hat das selbst zu spüren bekommen: Sie war zunächst in dem für nordsudanesische Flüchtlinge bestimmten Lager Maban im Nordosten des Südsudan eingesetzt. Doch im Dezember 2013 musste sie wegen der Zusammenstösse zwischen den Anhängern des südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir und den Anhängern des früheren Vizepräsidenten Riek Machar evakuiert werden. Ihr letzter Einsatzort war die Hauptstadt Juba und ihre Umgebung; hier kümmerte sie sich um südsudanesische Vertriebene.

Mehr als eine Million Binnenvertriebene
In den Jahren 2013 und 2014 waren rund ein Dutzend SKH-Expertinnen und Experten wie Dominique Reinecke für südsudanesische Vertriebene tätig. Die Entsendung von Fachleuten für multilaterale Organisationen wie das UNHCR oder das WFP ist nur ein Beispiel für die konkrete Hilfe, die die Schweiz in der gegenwärtigen humanitären Krise im Südsudan leistet. Seit Dezember 2013 sind 300‘000 Südsudanesinnen und Südsudanesen in die Nachbarländer geflüchtet, und eine weitere Million ist innerhalb des Landes vertrieben worden.

«Es ist extrem schwierig, unter diesen Bedingungen allen Erfordernissen gerecht zu werden», sagt Arnold Egli, ebenfalls Mitglied des SKH und für das UNHCR tätig. «Insbesondere ist dafür zu sorgen, dass die Binnenvertriebenen nicht zugunsten der Flüchtlinge vernachlässigt werden. Denn viele Binnenvertriebene leben im Elend und haben nicht einmal Zugang zu Trinkwasser.»

Konkrete Anliegen
Der Forstingenieur Arnold Egli war sechs Monate in der Region, um für das UNHCR einen Umweltdienst einzurichten. Praktisch ging es darum, mit der örtlichen Bevölkerung und den lokalen Behörden über den Brennholz- und Bauholzbedarf der im Südsudan lebenden Flüchtlinge aus dem Sudan zu verhandeln. Als Schutzbeauftragte eröffnete Dominique Reinecke in der zweiten Phase ihrer Tätigkeit eine Aussenstelle des UNHCR in Minkamann (150 km nördlich von Juba, Anm. d. Red.). «Sobald wir vor Ort waren, arbeiteten wir Pläne für die Notfallevakuierung der im hochwassergefährdeten Gebiet untergebrachten Vertriebenen aus und koordinierten die freiwillige Umsiedlung von Familien», erzählt Dominique Reinecke.

Die Zugerin war zudem die örtliche Genderbeauftragte des UNHCR. «Ich bearbeitete nicht nur Fälle von jungen Mädchen, die in den Vertriebenenlagern beim Gang zur Toilette Opfer sexueller Übergriffe oder sexueller Belästigung wurden», sagt Dominique Reinecke. «Es kam auch vor, dass Männer, die bei der Vertreibung ihre Frau verloren hatten, nicht kochen konnten. Wir veranstalteten Kurse und stellten den Partnerorganisationen Informationsmaterial zur Verfügung, und so gelang es, gezielt Massnahmen zu ergreifen.»

Auf die Bedürfnisse der gefährdetsten Gruppen eingehen
Barbara Egger Maldonado arbeitete für das Welternährungsprogramm. «In einer Krise müssen alle Vertriebenen Zugang zu Grundversorgung haben. Doch wir achten darauf, dass die gefährdetsten Gruppen Priorität erhalten», so die Bernerin. Zu diesem Zweck begab sich Barbara Egger Maldonado an mehrere schwer zugängliche Verteilungsstellen, um mit den Teams des WFP und ihrer Partner dafür zu sorgen, dass alle Nutzerinnen und Nutzer Zugang zu den Einrichtungen erhalten.

Südsudanesische Frauen tragen Wasserkanister auf dem Kopf
Bei der Verteilung von Hilfsgütern wird besonders darauf geachtet, dass die gefährdetsten Gruppen Priorität erhalten.

Auch Andrea Cippa befasste sich mit Planungs- und Evaluationsfragen. Der Tessiner Agraringenieur, der seit zehn Jahren Mitglied des SKH ist, wurde vom UNHCR im Norden Äthiopiens zehn Kilometer vor der Grenze zum Südsudan eingesetzt. Dort beriet er das Flüchtlingshilfswerk und die äthiopischen Behörden bei der Auswahl geeigneter Orte für die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Südsudan. «Die neuen Geoinformationssysteme bieten dreidimensionale Daten, darunter zum Beispiel Überschwemmungssimulationen, anhand derer ich die örtlichen Behörden veranlassen konnte, Flüchtlingslager zu verlegen, die sich in hochwassergefährdeten Gebieten befanden», erzählt Andrea Cippa.

Der Schweizer Experte zog bei der Suche nach sicheren Gebieten auch einheimische Kollegen bei. «Ich hatte festgestellt, dass das UNHCR vor Ort nicht über genügend Kartografen verfügt, und bildete deshalb äthiopische Kollegen aus. Nun habe ich das Gefühl, dass ich dem Land etwas hinterlassen konnte.»

Im Vordergrund ein Südsudanese mit zahlreichen Landsleuten im Hintergrund
Die DEZA leistet nicht nur Nothilfe, sondern unterstützt auch langfristige Projekte zugunsten von früher Vertriebenen und der Bevölkerung der Aufnahmeländer.

Langfristige Hilfe
2014 stellt die DEZA angesichts der humanitären Krise im Südsudan 18 Millionen Franken bereit. Doch die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit, die seit 1994 in der Region tätig ist, beschränkt sich nicht nur auf die Nothilfe. Mehrere von der DEZA unterstützte Initiativen sollen bereits früher Vertriebenen und der Bevölkerung der jeweiligen Aufnahmeländer nachhaltige Hilfe bieten. Bislang sind in den Bundesstaaten Northern Bahr el Gazal und Warrap zwei Projekte angelaufen, die die Ernährungssicherheit und den Zugang zu Trinkwasser verbessern.

Parallel hierzu unterstützt die Abteilung Menschliche Sicherheit (AMS) des EDA die Friedensverhandlungen und den Versöhnungsprozess im Südsudan. Sie hat zu diesem Zweck einen Berater für menschliche Sicherheit nach Juba entsandt.

Letzte Aktualisierung 26.01.2022