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Effizientes Abfallmanagement in Moskau: kleine Änderungen mit grosser Wirkung

Innenhof der Schweizer Botschaft in Moskau.
Die neue Botschaft in Moskau: Von aussen vermittelt das Botschaftsgebäude den Eindruck einer offenen und transparenten Schweiz. Aber wie sieht es hinter den Mauern mit der gelebten Nachhaltigkeit aus? (© Brauen Wälchli Architects – Yves André)

Im Einklang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung engagiert sich die Schweiz für eine nachhaltige Zukunft. Zu einer nachhaltigen Arbeitsweise gehört auch ein effizientes Abfallmanagement. In Moskau entstehen jährlich über 25 Millionen Tonnen Abfall. Die Kehrichtverwertungsanlagen sind praktisch ausgelastet. Für die Schweizer Botschaft in Moskau ist es deshalb wichtig, zu handeln und einen sinnvollen Beitrag zur Bewältigung des Abfallproblems zu leisten. Das Beispiel der Botschaft zeigt, wie sich ein umweltbewusstes Handeln im Kleinen und gewisse Verhaltensänderungen mit der Zeit positiv auf unseren Planeten auswirken können.

Gemeinsam für ein effizientes Abfallmanagement

Gemäss den neuen russischen Bestimmungen von 2020 müssen Haushaltsmüll und wiederverwertbarer Abfall getrennt werden. Die Botschaft geht noch einen Schritt weiter und führt ein strikteres Recyclingsystem nach Schweizer Vorbild ein: Papier, Glas, Batterien und PET-Flaschen werden in der Botschaft separat gesammelt und in eine spezielle Verwertungsanlage gebracht, die von einer bekannten russischen NGO betrieben wird. Ausserdem sammelt die Botschaft Flaschenverschlüsse aus Plastik getrennt und unterstützt damit das Sozialprojekt «Dobrye Kryshechki» (freundliche Deckel). Die Plastikverschlüsse werden recycelt, und der Erlös aus dem Verkauf an Recyclingbetriebe geht an «Dobrye Kryshechki» zugunsten von Kindern mit Entwicklungsstörungen.

Damit die Menschen ihr Verhalten ändern, braucht es eine überzeugende Kommunikation. Die Botschaft macht dies ganz gezielt: Sie motiviert ihre Mitarbeitenden zum Recycling nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch im privaten Umfeld. Die Angestellten werden ermuntert, Batterien und Plastikflaschen aus dem Privathaushalt mit in die Botschaft zu bringen, wo sie leicht recycelt werden können.

Nachhaltigkeit fördern: Arbeitsgruppe für nachhaltige Entwicklung

Das Bewusstsein unter den Mitarbeitenden zu schärfen ist zentral, weshalb Nachhaltigkeit für die Botschaft ein Schlüsselthema ist. Eine interne Arbeitsgruppe Nachhaltige Entwicklung beschäftigt sich mit Massnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit der Botschaft. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe treffen sich regelmässig zum Brainstorming, führen interne und externe Projekte durch und unterstützen Veranstaltungen und Kooperationen im Bereich der Nachhaltigkeit. Die Gruppe berät sowohl die

Botschafterin als auch das ganze Botschaftspersonal zu Themen wie nachhaltige Entwicklung, Kreislaufwirtschaft, Umweltschutz und Klimawandel.

Sensibilisierungsevent der Schweizer Botschaft mit Schulkindern.
Sensibilisierung für Abfallmanagement und Recycling in einer russischen Primarschule, organisiert und durchgeführt von der Schweizer Botschaft und russischen Partnern. (© EDA)

Neben anderen Aktivitäten führte die Botschaft 2020 zusammen mit der Moskauer Umweltbewegung Sobirator eine Sensibilisierungskampagne in einer Schule, einer Universität und einer Jugendbibliothek durch. Die Botschaft und Sobirator organisierten und leiteten dort gemeinsam Unterrichtsstunden und Vorlesungen zu den Themen Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft und halfen bei der Einführung eines eigenen Mülltrennsystems. Bei diesen Veranstaltungen wurden die Erfahrungen der Schweiz mit Recycling und Kreislaufwirtschaft geteilt, und es wurde darüber diskutiert, wie diese Bereiche weiterentwickelt werden können und wie man mit den sich stellenden Herausforderungen umgeht.

«Reduce – Reuse – Recycle»

Denselben Institutionen gewährte die Botschaft eine Anschubfinanzierung für die Einführung einer Mülltrennung (Projekt «Reduce – Reuse – Recycle») und für eine neue Müllsammel-Infrastruktur (Sammelbehälter, Eimer usw.), damit sie ihr eigenes Trennsystem aufbauen können. Sobirator, das eine grosse Abfallsammelstelle (Entsorgungshof) betreibt, holt den getrennten Müll ab und bringt die getrennten Wertstoffe zu Recyclingbetrieben. 2020 veröffentlichte die Botschaft auf ihrer Social-Media-Plattform ein Video mit dem Titel «Going Green», das auf ein sehr positives Echo stiess. Im selben Jahr führte die Botschaft ausserdem eine Podiumsdiskussion für ein breiteres russisches Publikum zu den Themen Klimawandel und nachhaltige Goldförderung durch.

Das positive Image der Schweiz als Kreislaufwirtschaft wurde durch die einzelnen Projekte und die aktive Mitwirkung des Botschafters gefördert. Die Arbeitsgruppe Nachhaltige Entwicklung beabsichtigt, die Zusammenarbeit mit den Partnerinstitutionen fortzuführen und auszubauen, und will in der Botschaft ein umfassendes Recyclingsystem einführen. Ausserdem will sie sowohl bei den Partnerinstitutionen als auch in der Botschaft das Bewusstsein für ökologische Belange im Alltag stärken. Schliesslich hat die Arbeitsgruppe weitere Massnahmen erarbeitet, die innerhalb der Botschaft umgesetzt werden, wie beispielsweise die Verwendung umweltfreundlicher Reinigungsmittel, eine saisonale Küche, vegetarische und vegane Speisen an offiziellen Veranstaltungen oder das Aufstellen eines Kompostbehälters.

Neues Gebäude als Auslöser

Das 2019 eingeweihte neue Schweizer Botschaftsgebäude ist umweltfreundlich und steht im Einklang mit seiner Umgebung. Beim Bau wurde besonders auf schadstofffreie Materialien, den Lichteinfall und die intelligente Verwendung von Glas geachtet. Dank der raumhohen Fenster nutzt die Botschaft das natürliche Licht voll aus, was eine Reduktion der elektrischen Innenbeleuchtung ermöglicht. Ein weiteres Beispiel dafür, wie die Botschaft Energie spart, ist die moderne Klimaanlage, die anstelle der alten Zentralheizung installiert wurde.

Der Neubau hinterlässt einen kleineren ökologischen Fussabdruck und inspirierte die Mitarbeitenden der Botschaft dank der neuen Möglichkeiten, eigene Initiativen für eine nachhaltigere Arbeitsweise zu entwickeln.

Die Botschaft zeichnet sich vor allem durch die Motivation der Mitarbeitenden aus, sich stärker für nachhaltige Praktiken im Alltag zu engagieren.

Letzte Aktualisierung 26.01.2022