Bilaterale Beziehungen Schweiz–Algerien

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Algerien sind gut. Sie gehen zurück auf den Unabhängigkeitskrieg und die positive Rolle, die die Schweiz in Evian bei den Verhandlungen zwischen der Übergangsregierung Algeriens und den Behörden der damaligen Kolonialmacht Frankreich spielte. 2015 weihte die Schweiz in Algier ein neues Botschaftsgebäude ein.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die Qualität der Beziehungen zwischen den beiden Ländern widerspiegelt sich im Abschluss von Abkommen in zahlreichen Bereichen: Wirtschaft, Handel, Hochschulbildung, wissenschaftliche Forschung, Kultur, Personenverkehr und Rechtshilfe in Strafsachen. Aus institutioneller Sicht sind diese Beziehungen Teil eines politischen Dialogs, den die Aussenministerien der beiden Länder 2004 mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung aufgenommen haben. Seit 2012 findet ein regelmässiger Austausch im Migrationsbereich statt.

Datenbank Staatsverträge

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Rund dreissig Schweizer Unternehmen sind in Algerien vertreten. Das bilaterale Abkommen über den Investitionsschutz sowie dasjenige zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen im Bereich Einkommens- und Vermögenssteuer tragen zur Verbesserung der Rechtssicherheit bei, was die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern anbelangt. Im September 2008 war Algerien Ehrengast am Comptoir Suisse in Lausanne.

Mit einem Handelsvolumen von 334 Millionen CHF  war Algerien 2016 der zehntwichtigste Handelspartner der Schweiz auf dem afrikanischen Kontinent. Die Schweiz exportiert nach Algerien traditionell Güter wie Pharmazeutika, Maschinen und Landwirtschaftsprodukte.

Die Schweiz und Algerien haben Anfang Juni 2012 in Genf ein bilaterales Abkommen im Kontext des WTO-Beitrittsprozesses Algeriens unterzeichnet.

Handelsförderung (Switzerland Global Enterprise)

Länderinformationen, SECO

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Seit 1976 unterstützt die DEZA das Welternährungsprogramm der UNO (World Food Programme, WFP) zugunsten der Flüchtlinge aus der Westsahara in Tindouf im Südwesten Algeriens. Dies in Form von finanzieller Hilfe und mit der Lieferung von Milchpulver.

Kulturaustausch

Die Schweiz wirkt aktiv an den Veranstaltungen zur Förderung der französischen Sprache (journées d’expression francophone) und der italienischen Sprache (Kulturwoche) mit. Die gemeinsame französische Sprache und die geographische Nähe fördern den kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern.

Schweizerinnen und Schweizer in Algerien

2016 lebten rund 492 Schweizerinnen und Schweizer in Algerien.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Zahlreiche Schweizer wanderten im 19. Jahrhundert nach Algerien aus, als es noch eine französische Kolonie war. Sie arbeiteten vor allem in der Landwirtschaft (Tabak und Weinanbau) und im Handel. Während des Algerienkriegs (1954–1962) wirkte die Schweiz als Vermittlerin zwischen den Konfliktparteien und empfing Unhabängigkeitskämpfer der Front de Libération Nationale (FLN) in der Schweiz.

Nach geheimen Treffen in Luzern und Neuchâtel wurden im März 1962 in Evian die Abkommen unterzeichnet, die die Unabhängigkeit Algeriens besiegelten. Seither hat die Schweiz eine Botschaft in Algier.

Algerien, Historisches Lexikon der Schweiz