Mit Biotreibstoffen gegen die Energiekrise

Projekt abgeschlossen
Bauer Fernando vor einem Tank (Fermenter) zur Gewinnung von Biogas aus Gülle (Gemeinde Calimete, Provinz Matanzas)
Bauer Fernando vor einem Tank (Fermenter) zur Gewinnung von Biogas aus Gülle (Gemeinde Calimete, Provinz Matanzas). Foto: Alejandro González [© EDA] FDFA

Die Gewinnung von Agrotreibstoff geht nicht zwangsläufig zulasten der Nahrungsmittelproduktion und damit der Ernährungssicherheit. Beide Ziele lassen sich kombinieren. Dies beweist ein DEZA-Projekt in Kuba: Im Juli 2012 ist in Guantanamo eine Anlage in Betrieb genommen worden, die Jatrophasamen zu Biodiesel verarbeitet. Im Rahmen des Schweizer Biomassen-Projekts kommen sechs kubanische Gemeinden in den Genuss billiger, erneuerbarer und zuverlässiger Energie.

Land/Region Thema Periode Budget
Kuba
Klimawandel & Umwelt
Landwirtschaft und Ernährungssicherheit
Schutz der Biosphäre
Erzeugung erneuerbarer Energien
Landwirtschaftliche Entwicklung
Förderung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette (bis 2016)
01.04.2012 - 30.09.2017
CHF 5'715'000

Kuba will vom Import teurer fossiler Energieträger wegkommen. Bereits heute deckt das Land 28% seines Energiebedarfs aus Biomasse. Ein wichtiger pflanzlicher Energieträger ist Zuckerrohr, aber je nach Bodenqualität und lokalen Bedürfnissen kommen auch andere Pflanzen in Frage. Von steigender Bedeutung ist die aus Indien eingeführte Jatropha. Sie wächst auch auf wenig fruchtbaren Böden, die nicht für Ackerbau geeignet sind und lässt sich ideal mit Viehzucht kombinieren. Wenn genügend ungenutztes Land vorhanden ist, verdrängt die Jatropha keine Nahrungsmittelpflanzen. Ihr Anbau ist sowohl unter ökologischen wie ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll.

Erste Verarbeitungsanlage

Die erste Verarbeitungsanlage zur Gewinnung von Biodiesel aus Jatrophasamen in Kuba wurde im Juli 2012 eröffnet. Sie verarbeitet die Ernte von 130 Hektaren. Der Biodiesel wird hauptsächlich zum Antrieb von landwirtschaftlichen Maschinen in ländlichen Gemeinden der Provinz Guantanamo genutzt. Die Anlage schafft Arbeitsplätze und mindert die Abhängigkeit von den knappen und nicht immer zuverlässigen staatlichen Energielieferungen. Statt grösseren, technologisch anspruchsvollen Anlagen fördert das Projekt einfache Formen der Energiegewinnung aus Biomasse, die von den Kleinbauern selbst betrieben werden können.

Erfolg des Pilotprojekts und weiteres Vorgehen

Das Projekt ist hervorgegangen aus einer mehrjährigen Zusammenarbeit der DEZA mit dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut Indio Hatuey, das dem kubanischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Umwelt unterstellt ist. Der Erfolg des Pilotprojekts fand breite Anerkennung. In der neuen Phase sollen die guten Resultate langfristig abgesichert werden. Mit sechs kubanischen Gemeinden werden Pläne entwickelt, wie die landwirtschaftliche Produktion für Energie und für die Ernährung mittelfristig gesteigert und optimiert werden kann.

Das Projekt leistet einen Beitrag zur Deckung der Energiebedürfnisse auf dem Lande und stärkt die Ernährungssicherheit der ländlichen Bevölkerung. Es füllt gleichzeitig den Tank und den Teller. Zentral ist dabei der Dialog mit dem kubanischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Umwelt. Wenn die Erfahrungen des Pilotprojekts in die nationale Gesetzgebung zur Förderung erneuerbarer Energien einfliessen, besteht Gewähr, dass viele weitere Gemeinden davon profitieren.