Bilaterale Beziehungen

Die Schweiz spielte beim Abschluss des Waffenstillstandsabkommens von 2002 zwischen der sudanesischen Regierung und der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung SPLM eine aktive Rolle. Obwohl der Sudan über wirtschaftliches Potenzial verfügt, sind Handel und Investitionen zwischen den beiden Ländern gering. Die Schweiz, hauptsächlich mit humanitärer Hilfe präsent, verstärkt zunehmend auch ihr Engagement in Friedensförderung und Entwicklungszusammenarbeit. 

Der Sudan, einst grösster Staat Afrikas, wurde am 9. Juli 2011 in zwei Staaten aufgeteilt, dies nachdem die Bevölkerung des Südens sich für die Unabhängigkeit ausgesprochen hatte. Seit 2019 befindet sich das Land in einem Transitionsprozess, nachdem das Regime des früheren Präsidenten Omar al-Bashir nach monatelangen Protesten gestürzt worden war. Die Übergangsregierung besteht aus Zivilisten, Vertretern der Armee und von Rebellengruppen.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die Schweiz leistet im Sudan, insbesondere im Darfur und in anderen Konfliktregionen, seit Jahren humanitäre Hilfe und ist in der Friedensförderung engagiert. Unter anderem unterstützte die Schweiz die Verhandlungen zum Waffenstillstandsabkommen für die Nuba-Berge, das in der Schweiz ausgehandelt und 2002 unterzeichnet wurde. Dies war der Ausgangspunkt für weitere Verhandlungen, die 2005 zum Abschluss des «Comprehensive Peace Agreement», des Friedensabkommens zwischen der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM) und der Regierung der Republik Sudan führten.

Der Sudan ist Teil der Region Horn von Afrika, einer der fünf geographischen Schwerpunkte der Subsahara-Afrika Strategie 2021-2024.

Bilaterale Abkommen

Subsahara-Afrika Strategie 2021-2024 (PDF, 3.0 MB, Deutsch)

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und dem Sudan sind gegenwärtig wenig entwickelt. Der Sudan verfügt über riesige Wasserreserven, grosse landwirtschaftliche Flächen und bedeutende Bodenschätze.
Das Handelsvolumen ist bescheiden, aber nicht vernachlässigbar. Die Schweiz exportiert in den Sudan hauptsächlich pharmazeutische Produkte (65%) und importiert fast ausschliesslich Landwirtschaftsprodukte (99%). Für Schweizer Unternehmen besteht ein Potenzial v.a. im Landwirtschaftsbereich.
Im Dezember 2020 hat die USA das Land von der Liste der Staaten, die den Terrorismus finanzieren, entfernt. Die Schweiz wendet aufgrund ihrer internationalen Verpflichtungen weiterhin die UNO-Sanktionen an.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Zusammenarbeit im Bildungsbereich

Forschende aus dem Sudan können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Schweizer Bundesstipendien

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Die Schweiz unterstützt die Förderung der Menschenrechte (Stärkung der nationalen Kapazität, die Einhaltung der Menschenrechte zu garantieren) und ist daran, die Zusammenarbeit mit dem Sudan im Bereich der Friedensförderung und der Unterstützung der demokratischen Transition zu stärken. 

Entwicklungszusammenarbeit, Humanitäre Hilfe und Migration

Die Schweiz unterhält im Sudan ein langjähriges Programm der humanitären Hilfe zugunsten der am meisten bedürftigen Menschen. Diese Hilfe fokussiert sich thematisch auf die Bereiche Ernährungssicherheit/Existenzgrundlagen und Schutz der Zivilbevölkerung/Migration. Neben der Leistung von Nothilfe wird auch die Schaffung von dauerhaften Lösungen (sog. «durable solutions») für intern Vertriebene und Flüchtlinge unterstützt. Die Schweiz verstärkt die Beziehungen mit dem Sudan im Migrationsbereich fortlaufend.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Kulturaustausch

Seit 1965 ist Charles Bonnet, Archäologe und emeritierter Professor der Universität Genf, die Hauptfigur einer Gruppe von Schweizer Wissenschaftlern, die in der nubischen Wüste forschen, um besser zu verstehen, wer die frühen Bewohner des Sudans, namentlich in der prähistorischen Periode und in der Antike, waren.

Schweizerinnen und Schweizer im Sudan

Im Jahr 2020 lebten 54 Schweizer und Schweizerinnen im Sudan und 841 Sudanesinnen und Sudanesen in der Schweiz.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Sudan sind jung und durch den Einsatz der Schweiz für die Beilegung von Konflikten und für das humanitäre Völkerrecht geprägt.

Die jahrhundertelange enge Beziehung des Sudans zu Ägypten wurde 1956 formell beendet, als die gemeinsame Behörde des britisch-ägyptischen Kondominiums die Herrschaft über das Land aufgab. Die Schweiz anerkannte den Sudan noch im selben Jahr und nahm 1960 diplomatische Beziehungen auf. Ein Jahr später eröffnete sie in der Hauptstadt Khartum eine diplomatische Vertretung.

Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz