Bilaterale Beziehungen Schweiz–Russland

Die Schweiz unterhält grundsätzlich solide Beziehungen zu Russland. Sie verurteilt jegliche Art von illegalen Spionageaktivitäten und Cyberangriffen auf ihrem Territorium. Trotz den anhaltenden internationalen Verwerfungen setzt sie sich für einen fortlaufenden Dialog ein und verfolgt eine möglichst unvoreingenommene, ausgleichende Politik gegenüber Russland. Dieses Verhalten fusst in der Überzeugung, dass Spannungen nur durch anhaltenden Dialog abgebaut werden können.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Russland ist ein prioritärer Partner der Schweizer Aussenpolitik. Als Mitglied des UNO-Sicherheitsrats und der G20 ist das Land ein wichtiger Akteur. Seit der Unterzeichnung eines «Memorandum of Understanding» (MoU) im Jahr 2007 hat sich der Austausch bedeutend intensiviert, da sich Vertreterinnen und Vertreter der beiden Länder regelmässig zu Gesprächen treffen. Dieses Kommunikationsformat bietet die Möglichkeit, Herausforderungen in den bilateralen Beziehungen gemeinsam anzugehen.

Seit März 2009 vertritt die Schweiz die russischen Interessen in Georgien und die georgischen Interessen in Russland, nachdem diese beiden Länder 2008 die diplomatischen Beziehungen abgebrochen hatten. Auch auf parlamentarischer Ebene bestehen enge Kontakte.

Datenbank Staatsverträge

200 Jahre diplomatische Beziehungen Schweiz–Russland 

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Russland ist ein grosser Markt mit viel Potenzial für Schweizer Unternehmen, die realen Handelszahlen sind jedoch nach wie vor bescheiden. Mit einem Aktionsplan zur Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen engagiert sich die Schweiz für optimale Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft. Eine gemischte Wirtschaftskommission trifft sich jährlich und bespricht die Herausforderungen der schweizerischen und russischen Unternehmen.

Der in die Schweizer Botschaft in Moskau integrierte Swiss Business Hub berät interessierte Schweizer Unternehmen beim Markteintritt in Russland und betreibt Werbung für den Schweizer Wirtschaftsstandort.

Obwohl der Bundesrat die Annexion der Krim verurteilt, beteiligt sich die Schweiz nicht direkt an den Sanktionen, die im Zuge der Ukrainekrise und der Skripal-Affäre erlassen wurden. Sie unterbindet hingegen die Umgehungen der US-amerikanischen und europäischen Sanktionen gegen Russland.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise SGE

Länderinformationen, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

In den Bereichen der Bildung und der Wissenschaft pflegt die Schweiz einen engen Kontakt mit dem zuständigen Ministerium sowie mit zahlreichen Universitäten und russischen Forschungseinrichtungen. Sie fördert den Austausch und die Kooperation zwischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen beider Länder und unterstützt deren Innovationspotenzial. Am 17. Dezember 2012 haben Russland und die Schweiz ein bilaterales Abkommen für Wissenschaft und Forschung abgeschlossen, welches um weitere fünf Jahre verlängert wird.

Forschende und Kunstschaffende aus Russland können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI 

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Die Schweiz und Russland tauschen sich seit 2003 jährlich zu Menschenrechtsfragen aus. Die Schweiz unterstützt in diesem Bereich mehrere Projekte, namentlich solche, die sich mit den Haftbedingungen und der Gesundheitslage in russischen Gefängnissen beschäftigen.  

Auch die regionalen Konflikte und die Friedenspolitik werden mit Russland regelmässig erörtert. Auf multilateraler Ebene erfolgt die Zusammenarbeit im Rahmen internationaler Organisationen, insbesondere im UNO-Menschenrechtsrat, im Europarat sowie in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Die Humanitäre Hilfe der Schweiz arbeitet mit der russischen Katastrophenschutzbehörde zusammen.

Kulturaustausch

Russland hat ein reiches kulturelles Erbe und eine sehr vielfältige Kulturszene. Der Kulturaustausch mit der Schweiz ist intensiv. Die Botschaft engagiert sich in ganz Russland für den kulturellen Austausch, namentlich im Bereich Film und bei der Förderung der Schweizer Landessprachen. Interessierten Stellen in Russland gibt sie zudem Auskunft über die Kultur in der Schweiz.

Angesichts der zunehmenden Zusammenarbeit im Kulturbereich eröffnete Pro Helvetia 2017 ein Verbindungsbüro in Moskau. Es soll insbesondere die Kontakte zwischen den Kulturinstitutionen fördern.

Pro Helvetia Moskau

Schweizerinnen und Schweizer in Russland

Ende 2017 waren 781 Schweizerinnen und Schweizer in Russland gemeldet. Die Mehrheit davon lebt im Grossraum Moskau, gefolgt von St. Petersburg.

Die Botschaft verfügt seit November 2016 über ein Regionales Konsularcenter, das die volle Palette an konsularischen Dienstleistungen anbietet und konsularischen Schutz für durchreisende Schweizerinnen und Schweizer in Russland, Usbekistan und Weissrussland gewährt.

2017 stellte die Botschaft über 24’000 Visa aus.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Nach den napoleonischen Kriegen setzte sich Russland für eine unabhängige und neutrale Schweiz ein. 1814 ernannte Zar Alexander I. zum ersten Mal einen Emissär bei der Eidgenössischen Tagsatzung. Die Schweiz eröffnete einige Jahre später ein Honorarkonsulat in St. Petersburg. Die diplomatischen Beziehungen mit Moskau brachen 1923 nach der Russischen Revolution ab und wurden nach dem Zweiten Weltkrieg (1946) wiederhergestellt. Seit der Unterzeichnung des bilateralen MoU von 2007 intensivieren sich die Beziehungen; ein Höhepunkt war der Staatsbesuch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew von 2009.

Russland, Historisches Lexikon der Schweiz