Bangladesch: Kurse erhöhen Job-Chancen für Arme in der Textil- und Baubranche


Drei Näherinnen einer Textilfabrik werden an ihren Arbeitsplätzen von drei weiteren Personen geschult.
Vielen Näherinnen in Bangladesch fehlt es am nötigen Know-how. Ein von der DEZA unterstütztes Projekt schafft Abhilfe. © Sudokkho

Die Textil- und die Baubranche in Bangladesch verzeichnen hohe Wachstumsraten. Vielen armen Frauen und Männern fehlt jedoch das nötige Know-how, um qualifizierte Stellen zu erhalten. Bis 2019 will ein von der Schweiz und Grossbritannien gemeinsam finanziertes Projekt 110‘000 von ihnen dank betrieblicher Weiterbildung zu besseren Perspektiven verhelfen. Die bisherigen Resultate stimmen zuversichtlich.

Land/Region Thema Periode Budget
Bangladesch
Beschäftigung & Wirtschaftsentwicklung
Berufsbildung
Schaffung von Arbeitsplätzen
Berufsbildung
Handelspolitik & Marktsystem
01.04.2015 - 31.03.2021
CHF 5'825'000

Bangladesch ist ein dicht besiedeltes Land mit einer Bevölkerung von 165 Millionen Menschen, von denen viele ihren Lebensunterhalt in der Industrie verdienen. Insbesondere der Textilsektor mit seinen über 5‘500 Firmen und vier Millionen Angestellten boomt: 2017 war Bangladesch nach China der zweitgrösste Textilexporteur der Welt. Die Branche hat nachweislich zu einer Reduktion der Armut beigetragen – auch wenn sie wegen Unfällen sowie wegen der schlechten Arbeits- und Produktionsbedingungen immer wieder in die Schlagzeilen gerät. 

Allerdings fehlt es an qualifizierten Arbeitskräften: Der grösste Teil der meist mittellosen Bevölkerung verfügt über keinerlei Ausbildung. Hier setzt das Projekt «Sudokkho» (Bangla für «gut ausgebildet») an, das gemeinsam von der schweizerischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA und der staatlichen britischen Entwicklungsagentur UK Aid finanziert wird. Die Umsetzung erfolgt durch die global tätige Entwicklungsorganisation Palladium in Zusammenarbeit mit Swisscontact und dem British Council. Ziel des von 2015 bis 2019 laufenden Projekts ist es, 110‘000 armen Frauen und Männern in einem ersten Schritt Ausbildungskurse in der Textil- und in der Baubranche zu vermitteln. Auf diese Weise sollen sich ihre Chancen auf qualifizierte Arbeitsstellen etwa als Näherinnen, Maler oder Zimmerleute verbessern – und damit auch ihre Aussichten auf ein höheres Einkommen. 

Erfolg dank Partnerschaft mit dem Privatsektor 

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt «Sudokkho» auf die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor. Einerseits unterstützt das Projekt private Anbieter, die erschwingliche und qualitativ hochstehende Ausbildungslehrgänge für die Zielgruppe – darunter insbesondere Frauen und Angehörige benachteiligter Bevölkerungsgruppen – anbieten. Andererseits arbeitet es mit Unternehmen aus den beiden Wachstumsbranchen bei der Realisierung von firmeninternen Kursangeboten zusammen. Nicht weniger als 35 Textilfirmen – darunter solche, die namhafte europäische Labels beliefern – haben bereits begonnen, in die systematische Ausbildung ihrer Mitarbeitenden zu investieren. 

Der Ansatz von «Sudokkho» scheint zu funktionieren, wie ein Überblick über die bisher erzielten Resultate zeigt. Bis im Sommer 2017 haben insgesamt 10‘005 Absolventinnen und Absolventen der vom Projekt unterstützen Lehrgänge eine Stelle gefunden. Darunter befinden sich 4‘486 Näherinnen und 339 Näher, die firmeninterne Kurse belegt hatten, sowie 5‘180 Absolventinnen und Absolventen von Lehrgängen privater Anbieter (darunter 1‘736 Frauen). Dank ihrer Stellen konnten sie ein zusätzliches Einkommen von insgesamt 4,26 Millionen britischen Pfund erzielen.

Ein Instruktor zeigt einer Gruppe von Männern mit Bauhelmen, wie Kunststoffrohre verarbeitet werden.
Im Rahmen des Projekts werden auch Lehrgänge für Tätigkeiten in der Baubranche angeboten, in der vor allem Männer tätig sind. © Sudokkho

Auch seitens der Wirtschaft setzt sich die Erkenntnis immer mehr durch, dass es sich lohnt, in gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren, da sich auf diese Weise auch die Produktivität eines Unternehmens steigern lässt. So sind bislang acht Gruppen lokaler Textilfirmen sowie eine Firma aus der Baubranche Partnerschaften mit «Sudokkho» eingegangen und haben total 1,2 Millionen britische Pfund in die firmeninterne Ausbildung investiert. Weitere 36 Partnerschaften wurden mit privaten Anbietern von Lehrgängen abgeschlossen. 

Lukas Lüscher, der zuständige Programmbeauftragte bei der DEZA, hält dieses Modell der industriebasierten Ausbildung für vielversprechend – auch wenn die Löhne nach wie vor sehr tief seien. Besonders imponiert hat ihm bei einem Besuch im Herbst 2017 der moderne Standard der betreffenden Textilfirma, die für ein europäisches Label produziert. «Den Mitarbeitenden stehen sogar zusätzliche Angebote wie Beratung zu verschiedenen Lebensbereichen wie Finanzen oder Familienplanung zur Verfügung», sagt Lüscher. «Bleibt zu hoffen, dass der Trend anhält und sich die Arbeitsbedingungen dauerhaft verbessern.»