Nimm mich an, wie ich bin – Zvandiri

Die HIV/AIDS-Situation hat sich in Afrika in den letzten Jahren verbessert. Jedoch sind Medikamente teilweise immer noch schwer erhältlich und Betroffene kämpfen gegen Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung. Dies betrifft insbesondere junge Menschen. Die DEZA unterstützt ein Programm in Simbabwe, bei welchem junge Menschen gleichaltrigen Betroffenen im Umgang mit der Krankheit helfen und gegen Stigmatisierung kämpfen.

Ein junger Mann hält ein gelbes Plakat in die Luft auf welchem steht: «Wir wollen HIV bis 2030 besiegen.»

Die DEZA unterstützt in Simbabwe weitreichende und effektive Sensibilisierungsprojekte zur Bekämpfung von HIV/AIDS. © DEZA

Die Welt kann AIDS besiegen, wenn die Gemeinschaften den Weg vorgeben.
UNAIDS

Anlässlich des Welt-AIDS-Tags 2023 rief die internationale Gemeinschaft zu einer grösseren Unterstützung der von HIV/AIDS betroffenen Gemeinschaften auf. Die davon betroffenen Menschen stehen selbst an vorderster Front bei der Bekämpfung der Krankheit. Dies bedingt, dass Menschen mit HIV/AIDS frei von Stigmatisierung und Ausgrenzung leben und sich entfalten können. Ein Programm in Simbabwe zeigt, wie ein gemeinschaftlicher und integrativer Ansatz funktioniert und ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung setzt.

Mehr als «nur» eine Krankheit

In Simbabwe leben ungefähr 1.2 Millionen Menschen mit HIV/AIDS, 16% davon sind jünger als 24 Jahre. Wie in vielen Teilen der Welt, sind HIV/AIDS-positive Menschen in Simbabwe von Stigmatisierung betroffen. Diese hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und auf die Bemühungen zur Eindämmung der Epidemie. HIV/AIDS wird oft mit negativen Stereotypen in Verbindung gebracht, die auf Unwissenheit und Vorurteilen beruhen.

Eine der Hauptursachen für die Stigmatisierung in Simbabwe ist die mangelnde Aufklärung über die Krankheit. Viele Menschen haben immer noch falsche Vorstellungen über die Übertragungswege und den Umgang mit der Krankheit. Dies führt dazu, dass infizierte Personen gemieden werden. Dies hat schwerwiegende Folgen. Menschen mit HIV/AIDS werden oft aus ihren Gemeinschaften ausgeschlossen, verlieren ihre Arbeit und ihre soziale Unterstützung. Dies führt zu sozialer Isolation und psychischem Stress, was wiederum die Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigt. Diese Angst vor gesellschaftlichen Ausschluss verhindert, dass sich Menschen testen wollen und dass Infizierte zögern, sich behandeln zu lassen. Dies führt zu einer Unterdiagnose und Unterversorgung von HIV/AIDS-Patientinnen und ‑patienten.

Es bedarf neben einem weiteren Ausbau der Gesundheitsdienstleistungen und ‑infrastruktur weiterhin Aufklärung und eine Reintegration der Betroffenen in das gesellschaftliche Leben. Durch die mittlerweile vorhandenen Medikamente wird die Lebenserwartung und ‑qualität von Betroffenen sehr gesteigert. Umso wichtiger ist es, die Zugänge zu Medikamenten und Dienstleistungen zu verbessern wie auch Hemmschwellen aus Angst vor sozialer Ausgrenzung zu senken.

Zvandiri

Die DEZA unterstützt in Simbabwe weitreichende und effektive Sensibilisierungsprojekte zur Bekämpfung von HIV/AIDS. Diese Projekte sind entscheidend, um das Bewusstsein für die HIV/AIDS-Pandemie zu schärfen und gleichzeitig Maßnahmen zur Prävention und Behandlung in diesem Land zu fördern. Eines davon ist das Zvandiri-Programm.

Zvandiri wurde 2004 gegründet, als die 13-jährige Simbisai einen Brief schrieb, in dem sie um einen sicheren Raum bat, in dem sich mit HIV lebende Kinder und Jugendliche verknüpfen, sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können. Unter der Leitung von sechs jungen Menschen aus Harare, Simbabwe, wurde die erste Selbsthilfegruppe gegründet. Die 14-jährige Amanda gab der Gruppe den Namen «Zvandiri», was so viel wie «Wie ich bin» bedeutet.

Diese jungen Menschen waren gerade dabei, ihren HIV-Status zu erkennen und zu verstehen, was das für sie bedeutet. Zu dieser Zeit waren HIV-Tests, Behandlung und Pflege für Kinder und Jugendliche gerade erst im Entstehen begriffen, aber sie wollten mehr als Medikamente und Klinikbesuche. Sie wollten Glück, Hoffnung, Zuversicht und Selbstakzeptanz. Seit 2004 stehen die jungen Menschen im Mittelpunkt der Entwicklung, Durchführung und Bewertung der Programme und Innovationen von Zvandiri.

© Zvandiri

Ein effizientes und innovatives Modell

Zvandiri bietet eine ganzheitliche Betreuung durch Gesundheitsdienste, Sozialarbeit, Schutzdienste, psychosoziale Unterstützung, Programme zum Aufbau von Kapazitäten und Initiativen zur Interessenvertretung. Bei der Umsetzung des Programms übernehmen mit HIV/AIDS lebende Jugendliche und junge Menschen die Führung bei der Planung und Umsetzung von Diensten für ihre gleich betroffenen Altersgenossen und -genossinnen.

Sie arbeiten mit den staatlichen Gesundheitsdiensten und dem Personal der Kliniken zusammen. Sie überzeugen andere Menschen, sich testen zu lassen, um weitere Infizierte zu identifizieren. Die Betreuenden, CATS (community adolescents treatment supporters) genannt, zeigen positiv Getesteten, wie sie an Medikamente kommen, wie und wann sie diese einnehmen und wann sie in eine Klinik gehen sollen, um die Virenlast messen zu lassen. Das Programm richtet sich auch an Lehrkräfte und Schulen, damit über das HIV-Virus aufgeklärt wird und junge Menschen für sexuelle und reproduktive Gesundheit sensibilisiert werden. Das Zvandiri-Programm gilt heute in Simbabwe und darüber hinaus als äusserst effizientes, relevantes, innovatives und nachhaltiges Modell. 

Die Erkenntnis, nicht allein zu sein

Durch Zvandiri kommen junge Menschen mit HIV/AIDS untereinander in Kontakt beispielsweise bei Therapiegruppensitzungen. Dies ist ein zentraler Aspekt, vor allem für die psychische Gesundheit der Betroffenen. Dadurch wird ihnen das Gefühl gegeben, nicht alleine zu sein. Sie werden von anderen verstanden und lernen von deren Erfahrungen. 

Bevor ich CATS kennenlernte, hatte ich Angst, dass meine Freunde mich auslachen würden, wenn sie sehen, dass ich ARV’s (antiretrovirale Medikamente) nehme. Durch diese Selbsthilfegruppe habe ich gemerkt, dass die Leute, vor denen ich mich versteckt habe, auch ARV’s nehmen, und jetzt sind wir alle Freunde.
Renius, Teilnehmender einer Selbsthilfegruppe

Zvandiri will den öffentlichen Diskurs rund um das Thema HIV/AIDS befeuern und den jungen Menschen eine Stimme geben. Musik spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Bei Treffen wird getanzt und gesungen. Die Musik soll verbinden und die Stimmen der betroffenen jungen Menschen nach aussen tragen. 

Dieser neuinterpretierte Coversong von «This is me» aus dem Film «The Greatest Showman» richtet sich gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV/AIDS. © Zvandiri

Weiteres Engagement der DEZA

Die Schweiz beteiligt sich aktiv an den weltweiten Anstrengungen zur Eindämmung von HIV/AIDS, indem sie internationale Organisationen wie die WHO, UNAIDS und den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS/HIV, Malaria und Tuberkulose sowie internationale und regionale NGO’s, Verbände und Netzwerke unterstützt. In den Länderprogrammen konzentriert sich die Schweiz auf die Prävention, insbesondere im Rahmen von Programmen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit, sowie auf die Verbesserung des Zugangs zu diskriminierungsfreier Behandlung, Pflege und Betreuung. In Regionen, die stark von HIV betroffen sind, berücksichtigen die Programme ausserhalb des Gesundheitssektors beispielsweise auch die Rolle von HIV-Infizierten und die Auswirkungen auf diese Gruppen und umgekehrt.

Zum Anfang