Das EDA verfolgt die Lage in Niger aufmerksam

Die Schweiz ist besorgt über die Entwicklungen in Niger und verurteilt die Machtübernahme durch die Streitkräfte. Sie ruft auf zum Dialog, zur Achtung der Menschenrechte und zur Rückkehr zur verfassungsmässigen Ordnung. Angesichts der besorgniserregenden Entwicklung der Situation haben die Schweizer Mitarbeitenden des Kooperationsbüros der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vorübergehend das Land verlassen. Sobald es die Lage erlaubt, wird das Personal nach Niger zurückkehren. Die Schweiz unterstützt die nigrische Bevölkerung weiterhin, unter anderem mit humanitärer Hilfe. Sie passt ihre Aktivitäten in der Entwicklungszusammenarbeit an die aktuelle Situation an.

In Niger diskutiert eine Gruppe von Menschen.

Die Schweiz passt ihre Aktivitäten in der Entwicklungszusammenarbeit in Niger an die aktuelle Situation an. © EDA

Die Machtübernahme durch die Streitkräfte vom 26. Juli beendete die relative politische Stabilität, die Niger im Vergleich zu anderen Ländern in der Sahelzone bis dahin auszeichnete. Die Schweiz fordert die Freilassung des im Jahr 2021 demokratisch gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum und die Rückkehr zur verfassungsmässigen Ordnung. Sie ruft auch zum Dialog, zur Achtung der Menschenrechte und zur Gewährleistung der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit auf. Sie drückt ihre Unterstützung für das nigrische Volk aus und setzt sich weiterhin für Frieden und Stabilität in der Region ein.

Stellungnahme

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) verfolgt die Lage in Niger aufmerksam. Aufgrund der aktuellen Lage im Land haben die Schweizer Mitarbeitenden des Kooperationsbüros (KoBü) Niger am 10. August 2023 verlassen. Es handelt sich um drei Mitarbeitende und eine Begleitperson.

Gemäss den dem EDA zur Verfügung stehenden Informationen vom 10. August haben bereits 19 Schweizer Staatsangehörige das Land verlassen. Das EDA bleibt mit den verbleibenden rund 14 Schweizer Staatsangehörigen vor Ort in Kontakt und unterstützt sie ebenfalls, wo immer dies nötig und möglich ist. Nicht alle diese Personen wollen Niger verlassen. Der Entscheid, Niger zu verlassen, erfolgt freiwillig, auf eigenes Risiko und auf eigene Kosten der ausreisenden Person. Das EDA selbst führt keine organisierten Ausreisen aus Niger durch. Die Schweiz rät bereits seit 2009 von Reisen nach Niger sowie von Aufenthalten jeglicher Art im Land ab.

Für weitere Unterstützung können sich betroffene Schweizer Staatsangehörige an die Schweizer Botschaft in Abuja oder an die Helpline des EDA wenden.

Die Lokalangestellten des KoBü sind wohlauf und werden ihre Aktivitäten im Rahmen des Möglichen fortsetzen. Die Schweiz bleibt in Niger engagiert, passt ihre Aktivitäten im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit an die Situation an und setzt ihre Aktivitäten im Bereich der humanitären Hilfe fort. Sie wird die Bevölkerung von Niger weiterhin unterstützen und ihre Aktivitäten im Bereich der humanitären Hilfe fortsetzen.

Die Schweiz ist seit 1978 in Niger präsent

Die Sahelzone, zu der auch Niger gehört, ist ein Schwerpunktgebiet der Subsahara-Afrika Strategie 2021-2024 der Schweiz. Sie ist seit 1978 durch ein Kooperationsbüro der DEZA in Niger präsent und unterstützt die Entwicklungsbemühungen des Landes. Sie verfolgt einen breit angelegten Ansatz, indem sie Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Friedensförderung miteinander verknüpft.

Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, also der langfristigen Unterstützung des Landes, konzentriert sich die DEZA auf drei prioritäre Handlungsbereiche: Ernährungssicherheit und lokale Entwicklung, Grundbildung und Berufsbildung sowie lokale Regierungsführung und Schutz von gefährdeten Personen. Die wichtigsten Schwerpunktregionen der Programme der DEZA sind Dosso und Maradi im Süden des Landes, mit Ausdehnungen auf Tillaberi, Zinder und Diffa. Die Hauptansprechpartner der DEZA sind die dezentralen Behörden.

Die Ernährungssicherheit steht auch im Mittelpunkt der humanitären Hilfe der Schweiz in Niger. Sie unterstützt multilaterale Partner wie das IKRK, das Welternährungsprogramm und NGOs, um Menschen zu helfen, die Opfer von Konflikten und Gewalt sind und von Ernährungskrisen bedroht sind. In Diffa und Maradi unterstützt die DEZA beispielsweise ein Programm, das Viehzüchtern und Landwirten hilft, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Sicherheits- und Gesundheitsproblemen sowie dem Klimawandel zu erhöhen.

Niger leidet immer wieder unter einer unsicheren Ernährungslage, was vor allem auf konjunkturelle und strukturelle Probleme zurückzuführen ist. Etwa 80% der Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten und mehr als 45% unterhalb der Armutsgrenze.

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