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Ein Pavillon für das Eis, den Schnee und das Klima

Ein Pavillon an der UNO-Klimakonferenz in Glasgow ist den eisbedeckten Gebieten in aller Welt gewidmet. Die Schweiz unterstützt die Initiative. Ihre wissenschaftliche Expertise im Bereich Kryosphäre ist international anerkannt. Sie kann die Klimaverhandlungen voranbringen. Genf ergänzt das schottische Programm.

01.11.2021

Eisschollen treiben auf dem Meer. © Pexels – Simon Berger

Eisblau ist die Farbe des Pavillons. Das Logo am Eingang zeigt einen Eisblock mit der Aufschrift «Kryosphäre-Pavillon». Handelt es sich um Packeis, Gletschereis oder einen Block Flusseis? Die Antwort findet sich im Innenraum. Von Chile bis zur Schweiz, von Grönland bis zu den Weiten der Antarktis zeigt der Pavillon das, was in der Fachsprache «Kryosphäre» heisst: der Teil des weltweiten Klimasystems, in dem Wasser in gefrorenem Zustand in Form von Eis oder Schnee vorliegt.

Wir sind in Glasgow. Die 26. UNO-Klimakonferenz (COP26) wurde eben eröffnet. Thema dieser internationalen Konferenz ist die globale Erwärmung. Die Teilnehmenden vertreten 196 Staaten und mehrere Tausend NGO. Die Schweiz ist selbstverständlich mit dabei.

Der Pavillon in Glasgow soll die Verhandlungen voranbringen

Hauptziel der COP26 ist es, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und Wege zu finden für die Anpassung an den Klimawandel sowie dessen Eindämmung.

Die Schweiz engagiert sich als Hauptpartnerin im Pavillon, um auf diese Weise einen Beitrag zur zentralen Frage der Kryosphäre zu leisten und die drängende internationale Klimadebatte voranzubringen.

Die Umsetzung der Agenda 2030 und der globale Umwelt- und Klimaschutz sind für den Bundesrat von entscheidender Bedeutung und stehen im Zentrum der aussenpolitischen Strategie der Schweiz.

Stefan Ruchti leitet die Sektion Umwelt, Energie und Gesundheit im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Er erklärt, weshalb der Pavillon für die Verhandlungen wichtig ist: «Alle Länder sollten sich bewusstwerden, dass alles, was die Kryosphäre beeinflusst, namentlich der weltweite Temperaturanstieg und die durch ihn verursachten Verluste an Eis, Schnee und Permafrost, auch Auswirkungen auf den gesamten Planeten hat.  Das Problembewusstsein nimmt zu, doch es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.»

Alle Länder sollten sich bewusstwerden, dass alles, was die Kryosphäre beeinflusst, namentlich der weltweite Temperaturanstieg, auch Auswirkungen auf den gesamten Planeten hat.
Stefan Ruchti, Leiter der Sektion Umwelt, Energie und Gesundheit, EDA

Schweizer Expertise im Bereich Gletscherforschung

Je nach Jahreszeit sind 7 bis 17 Prozent der Erdoberfläche mit Eis oder Schnee bedeckt. In der Schweiz sind heute 2,3 Prozent des Landes von Eis bedeckt. Die Kryosphäre ist extrem empfindlich; sie reagiert auf geringste Temperaturschwankungen mit Anpassungen, die wiederum das Weltklima beeinflussen. Wird sie geschützt, kann sie regulierend wirken.

«Die Schweiz verfügt dank ihrer Geschichte als alpines Land und dank ihrer Innovationsfähigkeit über international anerkannte wissenschaftliche Expertise im Bereich Kryosphäre. Die Initiative zur Unterstützung des Pavillons verbindet innovative Technologien, wissenschaftliche Kompetenz und Schweizer Wissenschaftsdiplomatie», führt Grégoire Hauser aus, der in der Sektion Wissenschaft, Verkehr und Weltraum des EDA für polare Fragen zuständig ist.

Der Pavillon zeigt Delegierten und Offiziellen verschiedene Forschungsergebnisse und bietet ein reichhaltiges Programm an Vorträgen, Debatten und thematischen Tagungen an. Die Schweiz ist gemeinsam mit dem Nordischen Ministerrat und Chile Partnerin des Pavillons. Koordiniert wird dieses gemeinsame Programm von der International Cryosphere Climate Initiative (ICCI).

Genf – ein wichtiger Akteur im Pavillon

Wie der unter der Wasseroberfläche liegende Teil eines Eisbergs ergänzt Genf das schottische Programm. Wenn in Glasgow auch von Eiskappen, Polar- und Hochgebirgsgletschern, Schneedecken und Permafrost die Rede ist, so ist das dem Geneva Cryosphere Hub zu verdanken.

Der Hub wurde von der Universität Genf mit Unterstützung des Bundes initiiert. Er nimmt die Funktion einer Plattform wahr, die einen Überblick über das in der Schweiz vorhandene einschlägige Fachwissen bietet und die relevanten Akteure des internationalen Genf vernetzt. 

Der Hub bietet zudem Duplex-Übertragungen und digitale Versionen von verschiedenen Veranstaltungen in Glasgow an, damit auch diejenigen, die nicht anreisen können oder ihre Reisetätigkeit einschränken wollen, dabei sein können.

Der Geneva Cryosphere Hub ist um ein interdepartementales Projekt des Bundes, an dem verschiedene Akteure des Bundes – das Bundesamt für Umwelt (BAFU), das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) – sowie die Schweizer Forschung und Lehre beteiligt sind. 

Die Schweiz hat das Pariser Klimaabkommen und die UNO-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ratifiziert. Die Umsetzung der Agenda 2030 und der globale Umwelt- und Klimaschutz sind für die Schweiz von entscheidender Bedeutung und stehen im Zentrum der aussenpolitischen Strategie der Schweiz.