Bilaterale Beziehungen Schweiz–Griechenland

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Griechenland sind gut und traditionsreich. Sie erstrecken sich auf verschiedene Aspekte wie Wirtschaft, Energie, Kultur, Tourismus und die Zusammenarbeit im Migrationsbereich.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die Schweiz und Griechenland verfolgen in den Bereichen Migration, Kultur und Energie gemeinsame Interessen. Gemeinsamkeiten gibt es auch in internationalen Foren, z. B. in der UNO oder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Die Schweiz unterstützt das Projekt TAP für eine transadriatische Gaspipeline. Diese soll ab 2019/2020 aserbaidschanisches Gas über die Türkei, Griechenland und Albanien nach Italien führen.

Als Schengen-Mitgliedstaat setzt sich die Schweiz für die Überwachung der Schengen-Aussengrenze ein: Im Rahmen von Frontex entsendet sie Grenzwächterinnen und Grenzwächter an neuralgische Punkte der Schengener Aussengrenze – u. a. in Griechenland.

Datenbank Staatsverträge

Frontex (en)

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die Handelsbilanz fällt für die Schweiz traditionell positiv aus. 2018 exportierte die Schweiz Waren im Wert von 819 Millionen Franken nach Griechenland. Zu den Hauptexporten zählen Erzeugnisse der Pharma- und Uhrenindustrie, Maschinen und Chemikalien.

Die Schweiz war Ende 2016 der fünftgrösste ausländische Direktinvestor. Rund 60 Schweizer Unternehmen sind in Griechenland niedergelassen und beschäftigen rund 6570 Personen.

Langfristig wird die Präsenz der Schweizer Unternehmen davon abhängen, wie sich die wirtschaftliche Situation in Griechenland entwickelt. Potenzial für Schweizer Investitionen besteht beispielsweise im Sektor der erneuerbaren Energien.

Griechenland ist bei Schweizer Touristinnen und Touristen beliebt. Jährlich verbringen rund 400'000 Schweizer Reisende ihre Ferien in Griechenland und unterstützen so einen wichtigen Wirtschaftszweig.

Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise

Länderinformationen, Staatsekretariat für Wirtschaft SECO

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Forschende und Kulturschaffende aus Griechenland können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben. Umgekehrt bietet die Schweizerische Archäologische Schule in Griechenland (ESAG) in Eretria (Insel Euböa nahe Athen) jeden Sommer Schweizer Studierenden Gelegenheit zu praktischer Forschungsarbeit. Die Schule ist seit 1975 ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen und kulturellen Präsenz der Schweiz in Griechenland.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Schweizerische Archäologische Schule in Griechenland (en)

Kulturaustausch

Schweizer Kunstschaffende sind regelmässig auf den griechischen Bühnen und Leinwänden präsent, oft auch im Rahmen der grossen Sommerfestivals.
Die Botschaft organisiert jedes Jahr im Rahmen der «Semaine de la Francophonie» und der «Settimana della lingua italiana» Projekte mit den entsprechenden ausländischen Kulturinstituten. An griechischen Filmfestivals werden jedes Jahr Schweizer Filme gezeigt.

Die griechische Kultur in der Schweiz erlebte mit der Ausstellung «Eretria» in Basel 2010–2011 einen Höhepunkt. Die Ausstellung war den Funden Schweizer Archäologen gewidmet, die in Eretria seit 1975 Ausgrabungen durchführen.

Schweizerinnen und Schweizer in Griechenland

Gemäss der Statistik des Bundesamt für Statistik lebten Ende 2018 2806 Schweizerinnen und Schweizer in Griechenland.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Die Schweiz ist seit 1895 in Griechenland vertreten. Erst mit einem Generalkonsulat in Patras, später mit einer Legation in Athen und seit 1954 mit einer Botschaft.

Während der deutschen Besatzung Griechenlands 1941–1944 unterstützte das Schweizer Konsulat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bei der Versorgung der hungernden Bevölkerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben zwei Schweizer das Verständnis der griechischen Kultur in der Schweiz besonders gefördert: Pavlos Tsermias, NZZ-Korrespondent und Professor für neugriechische Sprache, sowie Bertrand Bouvier, Professor in Genf, Übersetzer und Herausgeber griechischer Texte.

Vor und während des Wiener Kongresses 1815 setzte sich der aus Korfu stammende Ioannis Capodistria im Dienst des Zaren Alexander I. erfolgreich für die innere Neuordnung der Eidgenossenschaft und für die internationale Anerkennung der Schweizer Neutralität ein.

Der griechische Aufstand von 1821 gegen die osmanische Herrschaft führte 1830 zur Bildung des unabhängigen Staats Griechenland. Schweizer Persönlichkeiten unterstützten die griechischen Aufständischen. Die beiden Schweizer Jean-Gabriel Eynard, Bankier, und Johann-Jakob Meyer, Begründer der ersten griechischen Tageszeitung, sind in Griechenland bekannt.

Griechenland, Historisches Lexikon der Schweiz

Diplomatische Dokumente der Schweiz, Dodis