Bilaterale Beziehungen Schweiz–Mali

Die Schweiz engagiert sich in Mali für Sicherheit, Stabilität und Entwicklung. Sie tut dies im Rahmen ihrer drei aussenpolitischen Instrumente: Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Friedenspolitik.

Auf wirtschaftlicher Ebene haben die beiden Länder bisher verschiedene bilaterale Abkommen abgeschlossen.

Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen sind eng und haben eine politische Komponente, die auf das langjährige Engagement der Schweiz für eine nachhaltige Entwicklung und einen dauerhaften Frieden in Mali zurückzuführen ist. 

Datenbank Staatsverträge

Malische Regierung, offiziell (fr)

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die Schweiz hat mit Mali verschiedene bilateraler Verträge (Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit, gegenseitiger Investitionsschutz, Zivilluftfahrt) abgeschlossen. 2019 belief sich das Handelsvolumen auf 1,3 Milliarden CHF. Damit ist Mali der fünftgrösste Handelspartner der Schweiz in Afrika. Die Schweiz exportiert hauptsächlich pharmazeutische Produkte und Maschinen nach Mali. Importiert wird fast ausschliesslich Gold.

Handelsförderung (Switzerland Global Enterprise)

Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation

Eines der Hauptziele der malischen Regierung ist nach wie vor der Zugang zu guter Bildung für alle Kinder, denn noch immer sind viele von ihnen vom Schulsystem ausgeschlossen. Die Schweiz trägt auf unterschiedliche Weise zu diesem Ziel bei. Mit ihren Programmen fördert sie den Zugang von marginalisierten Kindern und Jugendlichen zu hochwertigen Schulangeboten. Im Bereich der Berufsbildung werden arbeitsmarktorientierte Lehrgänge unterstützt, Denn das geringe Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte ist ein Hindernis für die Entwicklung. Die Programme richten sich hauptsächlich an Frauen, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen und sind an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes in städtischen und stadtnahen Gebieten angepasst.

Forschende und Kunstschaffende aus Mali können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um ein Exzellenzstipendium des Bundes bewerben.

Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI

Friedensförderung und menschliche Sicherheit

Seit 2008 unterstützt die Schweiz in Mali Aktivitäten zur Friedensförderung und Gewaltprävention. Sie setzt sich insbesondere für die Umsetzung des Friedensabkommens von 2015 ein und fördert Rahmenbedingungen für einen inklusiven Dialog. So unterstützt sie beispielsweise Initiativen für einen zivil-militärischen Austausch, um Vertrauen zwischen der Bevölkerung und den malischen Sicherheitsakteuren aufzubauen. In der Vergangenheit förderte sie Projekte für Frauen und Jugendliche im Bereich der Konfliktlösung. Derzeit unterstützt sie den Dialog unter Religionsgelehrten mit dem Ziel, Botschaften zur Gewaltprävention zu erarbeiten und zu verbreiten.

Im Bereich des Kapazitätsaufbaus trägt sie zum Ausbau der zivilen Komponente der «École de Maintien de la Paix» bei und bietet einen der wenigen Mediationskurse auf dem Kontinent an. Zudem stellt sie internationalen Organisationen – wie der UNO-Mission MINUSMA oder der EU-Mission EUCAP Sahel Mali – Schweizer Zivil- und Polizeiexpertinnen und -experten zur Verfügung, die Fachwissen in den Bereichen Wiederherstellung der Staatsgewalt, Justiz- und Sicherheitsreform, Förderung und Schutz der Menschenrechte sowie humanitäre Hilfe mitbringen.

Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Die Schweiz setzt sich in Mali in erster Linie für ländliche Entwicklung, Ernährungssicherheit, Gouvernanz, Friedensförderung sowie Grundschulbildung und Berufsbildung ein.

Dank ihres langjährigen Engagements und der Stärkung der lokalen Akteure in Entscheidungsprozessen, die sie betreffen, hat die Schweiz ihre Aktivitäten zugunsten der Bevölkerung und der Institutionen des Landes kontinuierlich ausgebaut. Sie begleitet private und öffentliche Akteure bei der Durchführung von Projekten im Bereich der ländlichen Entwicklung. In Mali leben mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in ländlichen Gebieten und steuern etwa einen Drittel zum BIP bei. Vor diesem Hintergrund unterstützt die Schweiz durch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) Initiativen zur Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft und zur Einkommensverbesserung.

Im Norden des Landes hat die Schweiz ihre Aktivitäten im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit wieder aufgenommen und ihre humanitären Einsätze verstärkt. In einigen Gebieten ist der Zugang für die humanitäre Hilfe immer noch erschwert und die Grundversorgung der Bevölkerung kompliziert.

Die Schweiz setzt sich in ihren Einsatzgebieten für die Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit ein und begleitet die malische Regierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung einer nationalen Politik zur Förderung der Nahrungs- und Ernährungssicherheit der am stärksten verwundbaren Menschen. Mit der Förderung von wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Produktionssystemen im Bereich der Viehzucht und des Ackerbaus können die Einkommen von Familienbetrieben verbessert werden.

Mali befindet sich seit 2012 in einer sicherheitspolitischen und humanitären Krise. Das Land zeigt aber eine beachtliche Widerstandsfähigkeit und verfügt über zahlreiche Entwicklungschancen. 2015 belief sich die Wachstumsrate auf 5%. Das Land verfügt über ein grosses Potenzial in der Viehzucht und im Ackerbau, das besser genutzt werden sollte, und über eine junge Bevölkerung, die es zu mobilisieren gilt (jährliches demografisches Wachstum 3,6%, 65% der Bevölkerung unter 25). Zu den grossen Herausforderungen zählen nach wie vor Frieden und Sicherheit, Armutsbekämpfung, Gouvernanz, Bildung und Beschäftigung. Die Schweiz begleitet die Behörden und die Bevölkerung bei ihren Anstrengungen, die vorhandenen Chancen zu nutzen und die Herausforderungen zu meistern.

Sie unterstützt auch die nationalen Versöhnungsbestrebungen und führt Projekte zum Schutz der Zivilbevölkerung durch (Förderung des humanitären Völkerrechts).   

Schweiz und Mali

Schweizerinnen und Schweizer in Mali

Ende 2019 lebten 69 Schweizerinnen und Schweizer in Mali und 201 Malierinnen und Malier in der Schweiz.

Geschichte der bilateralen Beziehungen

Am 26. September 1960 anerkannte der Bundesrat die Republik Mali als unabhängigen Staat und im Jahr 1961 nahm er diplomatische Beziehungen auf. In den 1970er-Jahren begannen sich Chemie-, Textil- und Zementunternehmen für das Land zu interessieren. Diese Entwicklung mündete 1977 in ein Abkommen über technische Zusammenarbeit, dem 1978 je ein Abkommen über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Investitionen folgten. Im Jahr 1989 wurden bilaterale Abkommen zur Umschuldung und zur Unterstützung des Strukturanpassungsprogramms der Weltbank abgeschlossen.

1991 wurde der Präsident gestürzt, der von der malischen Presse der massiven Veruntreuung von Staatsgeldern bezichtigt wurde. Das EDA fasste erstmalig den Beschluss, die Demarchen der malischen Regierung finanziell zu unterstützen und ihr bei der Suche und Rückführung der Gelder zu helfen, die man in der Schweiz vermutete. Rund 3,9 Millionen CHF wurden 1997 rückgeführt. Das Vorgehen in Mali diente der Schweiz als Modell für weitere Fälle.

Die DEZA ist in Mali seit den grossen Dürren der 1970er-Jahre präsent. Zu Beginn unterstützte sie Aktivitäten in den Bereichen Umweltschutz, Wasserversorgung und Gesundheitswesen.

Mali, Historisches Lexikon der Schweiz